Mag.a Isabel Ebner | NEURO-EXZELLENZ STRATEGIEN - DAS ENDE DER SELBSTSABOTAGE

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DAS ENDE IHRER SELBSTSABOTAGE !

Ihr Unbewusstes ist kein Gegner. Es ist Ihr loyalster Mitarbeiter.

Ihr Unbewusstes ist kein Gegner. Es ist Ihr loyalster Mitarbeiter.

Die Wochenplanung liegt vor Ihnen. Eine Aufgabe steht auf der Liste, die nicht Ihre sein müsste — es gibt jemanden im Haus, der sie erledigen könnte, und zwar gut. Sie hören sich sagen: „Das mache ich lieber selbst."

Diese Feststellung war vor dem Gedanken da.

Das ist die Stelle, um die es in diesem Artikel geht: nicht um die Aussage, sondern um die Reihenfolge.

Warum sich dieser Reflex nach Verantwortungsbewusstsein anfühlt

Von außen sieht diese Haltung nach Verantwortungsbewusstsein aus, und Sie selbst werden sie auch so einordnen. Qualitätsanspruch. Erfahrung. Man weiß eben, was herauskommt, wenn man eine Aufgabe selbst erledigt — und man weiß gerade nicht, was herauskommt, wenn man sie abgibt. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Wer die Dinge selbst erledigt, hat die volle Kontrolle.

Was Sie dieser Reflex tatsächlich kostet, können Sie an den Abenden messen, die für die Arbeit draufgehen, statt Ihnen für Ihre Erholung zur Verfügung zu stehen. Oder Sie finden diese Kosten in der Mappe, die Sie an einem Sonntag doch noch aufmachen, statt eine Unternehmung mit lieben Menschen vorzunehmen. Vielleicht stecken sie aber auch in dem Gefühl, dass Sie eigentlich gar keine Führungsposition ausfüllen, sondern für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder für Kolleginnen und Kollegen Dinge nur abarbeiten und sich in Wirklichkeit nur als bessere Sekretärin fühlen dürfen.

Wo ein Satz wie dieser — „Ich mache das lieber selbst." — schneller kommt als die Überlegung, ob jemand anderer diese Aufgabe übernehmen könnte, hat nicht Ihr bewusster Verstand entschieden. Da hat eine andere Instanz Ihre Urteilsfähigkeit übernommen.

Der Mitarbeiter mit der uralten Anweisung

Stellen Sie sich einen Mitarbeiter vor, der seit zwanzig Jahren oder länger im Haus ist. Er ist der loyalste, den Sie haben. Vor langer Zeit hat er eine Anweisung bekommen — eine gute, sinnvolle, dem Zeitpunkt angemessene Anweisung. Seither führt er sie treu und zuverlässig aus, ohne Rückfragen zu stellen.

Nur: Niemand hat diese Anweisung je überprüft. Das Unternehmen ist gewachsen, der Markt hat sich gedreht, Ihre Rolle ist eine andere. Die Anweisung von damals ist immer noch dieselbe.

Dieser Mitarbeiter, von dem wir gerade sprechen, ist Ihr Unbewusstes. Und Ihr Unbewusstes macht nur seinen Job – und zwar gut.

Die meisten Menschen behandeln das Unbewusste als Gegner, als Defekt, als etwas, das man mit genug Willen überstimmen muss. Dann wird trainiert, gekämpft, sich angestrengt. Warum dieser Weg so zuverlässig scheitert, habe ich an anderer Stelle ausführlich beschrieben — Disziplin ist das schwächste Werkzeug, das Sie besitzen. Hier kommt der zweite Teil derselben Sache: Es gibt nichts zu überstimmen. Es gibt etwas zu überprüfen, zu reflektieren, etwas nachzubesprechen.

Wie diese innere Anweisung entstanden ist

Kein Mensch entscheidet erst als erwachsene Person, sich auf niemanden verlassen zu wollen. Solche Entscheidungen entstehen früher, in Situationen, in denen sie gestimmt haben.

Ein Kind, das sich wiederholt auf erwachsene Bezugspersonen verlassen hat und von diesen wiederholt nicht abgeholt wurde, zieht daraus eine Konsequenz. Die Konsequenz heißt: Ich verlasse mich auf mich selbst, dann passiert mir nichts mehr, dann bin ich sicher. Das ist keine Schwäche, das ist eine kluge Strategie, aus einer echten Bedrängnis herauszukommen. Eine Lösung, eine Schutzfunktion — und der Schutz hat funktioniert.

Pusteblume vor grauer Wand — der Schutz von damals hat ein Ablaufdatum

In der Psychologie heißt der Vorgang Introjektion. Nach der Fachdefinition ist die Introjektion „der umgekehrte Vorgang der Projektion, d. h., es werden fremde Anschauungen, Motive, Verhaltensweisen ins eigene Ich aufgenommen".[1] Dieselbe Quelle nennt die häufigste Folge gleich mit: die Übernahme der elterlichen Normen bei besonders streng erzogenen Kindern — „wobei diese zu noch strengeren Eltern werden".[1] Und nicht nur zu strengeren Eltern — zu strengeren Erwachsenen überhaupt. Das ist der eigentliche Mechanismus: Was übernommen wurde, wird nicht milder weitergeführt, sondern verschärft.

Und hier das, was wichtig ist: Der Schutz von damals hat ein Ablaufdatum! Nur merkt es niemand, weil er sich inzwischen anfühlt wie eine Charaktereigenschaft, die man sich mühsam erarbeitet hat.

Wie viel von Ihrem Verhalten ohne bewusste Entscheidung abläuft

Die Tatsache, dass ein großer Teil unseres Verhaltens ohne bewusste Entscheidung abläuft, ist in zwei voneinander unabhängigen Untersuchungen gemessen worden — und wie groß dieser Anteil ist, ist der eigentliche Grund, warum sich das Hinsehen lohnt.

Die erste Untersuchung betrifft das Ziel hinter einer Handlung. Ziele können verfolgt werden, ohne dass die handelnde Person das Ziel bewusst wahrnimmt — und ohne dass sie bemerkt, dass dieses Ziel gerade ihr Verhalten steuert. Die Psychologen Ruud Custers und Henk Aarts haben die Forschungslage dazu 2010 in der Fachzeitschrift Science zusammengetragen.[2] Das heißt nicht, dass man das eigene Ziel ungefähr ahnt. Es heißt: Die Handlung läuft an, die Begründung kommt hinterher.

Die zweite Untersuchung betrifft die Menge solcher Handlungen im Alltag. Die Psychologin Wendy Wood und ihre Kollegen Jeffrey Quinn und Deborah Kashy ließen Versuchspersonen stündlich aufschreiben, was sie gerade tun — eine Tagebuchstudie. In zwei solchen Erhebungen waren 35 beziehungsweise 43 Prozent aller notierten Alltagshandlungen gewohnheitsmäßig: Verhalten, das fast täglich am selben Ort stattfindet und beim Ausführen keine bewusste Steuerung braucht.[3] Die drei Forschenden zeigen zugleich, warum Gewohnheit kein Defizit ist: Sie kostet weniger Aufmerksamkeit und verursacht weniger Stress.

Ein gutes Drittel Ihres Verhaltens läuft also, ohne dass Sie hinschauen. Für fast jede alltägliche Verrichtung ist das ein Geschenk — niemand will jeden Morgen neu entscheiden, wie man Auto fährt. Teuer wird es nur bei den unbewussten Haltungen, die über Ihre Entscheidungen bestimmen.

Kurt

Kurt ist Finanzwissenschaftler, hochbegabt, angesehen. Er hat es in seinem Leben mehrfach zu vielen Millionen gebracht — und jedes Mal alles wieder verloren. Im Markt konnte sich das niemand erklären, er selbst am wenigsten.

Seine Mutter hatte ihn, aus ihrer eigenen harten Erfahrung heraus und in bester Absicht, auf ein hartes Leben vorbereiten wollen. Ihre Methode war, ihm einzutrichtern, er sei unfähig — damit er ihr das Gegenteil beweist. Es hat funktioniert: Er hat es ihr bewiesen, mehrmals. Sie war stolz auf ihren Sohn.

Was bei dieser Methode übersehen wurde: Kurt hat ihr geglaubt. Er hat ihre Haltung über sich selbst zu seiner eigenen gemacht. Von da an gab es in ihm eine Instanz, die jeden Erfolg für einen Irrtum hielt, der sich noch aufklären wird — und was danach kam, war nur noch die Ausführung dieser Überzeugung. Seine Zynismen und sein beißender Spott waren nie Stärke, sondern Ummantelung. Wer sich den eigenen Status selbst nicht glaubt, fürchtet unbewusst die Demaskierung und greift vorsorglich an.

Den Wendepunkt kann man in einem Satz sagen: Die innere Mutter zu entmachten war in seinem Fall der Schlüssel zu seinem nachhaltigen Erfolg.

Kurts Geschichte steht ausführlich in meinem Buch „EHE RETTEN ODER TRENNUNG ÜBERWINDEN? Dein Kind will kein Scheidungskind werden".[4] Der erste Teil dieses Buches handelt nicht von Trennung, sondern von genau diesen unbewussten Instanzen und davon, wie sie im Alltag auftreten — und sie treten überall auf. Derselbe Mechanismus zerlegt eine Ehe, Firma oder eine Bilanz. Die Dynamik dieses Mechanismus unterscheidet nicht zwischen Beziehung, Bilanz, Finanzhaushalt oder Gesundheitszustand.

Der Selbstversuch

Nehmen Sie den Satz „Das mache ich lieber selbst." vom Anfang dieses Beitrags — oder den einen eigenen, der Ihnen beim Lesen dieses Artikels gekommen ist. Sprechen Sie ihn laut aus. Nicht denken, aussprechen!

Und dann achten Sie auf die darauffolgenden zwei Sekunden. Wird es weit, oder wird es eng? Wie ist Ihr Stand, was sagt der Körper?

Dieser kurze Selbstversuch beantwortet keine Frage. Er stellt eine: Warum entscheidet ausgerechnet dieser Satz bei mir zum wiederholten Mal? Der Körper beweist nichts — er zeigt an, wo sich das Nachfragen lohnt. Wird es eng, haben Sie gerade die Tür zu einem Raum gefunden, in dem lange niemand war.

Und wenn Sie nichts spüren? Das ist auch eine Auskunft, und zwar keine schlechte.

Es gibt einen zweiten, noch einfacheren Weg, diese unbewussten Haltungen überhaupt erst zu bemerken. Sobald Ihnen etwas in den Sinn kommt, das mit „Ich sollte …" oder „Ich müsste …" beginnt, hören Sie vorsorglich die Alarmglocken schrillen — und prüfen Sie, welche innere Instanz Ihnen gerade Druck macht. Dasselbe gilt für „Das ist doch das Mindeste, was man erwarten kann" und für „Wie kann X nur …". Das sind keine Weisheiten. Das sind übernommene Gedankengänge, die sich als Weisheiten ausgeben.

Sonnenaufgang am Meer — der Weg, der jetzt zu gehen ist

Was dann zu tun ist — in dieser Reihenfolge

Nicht bekämpfen. Überprüfen.

Zuerst erkennen, dass es sich um eine erlernte Haltung handelt. Das ist nicht der Schritt zur Lösung, das ist der Schritt, der das schlechte Gewissen und die Schuldgefühle beim Verändern dieser Haltung wegnimmt — und solange belastende Emotionen und innere Widerstände gegen die Veränderung da sind, wird nichts verändert.

Danach, und erst danach, radikal prüfen, ob diese Haltung heute noch ihren Dienst tut. Manche Haltungen tun es. „Ich prüfe selbst nach" ist in bestimmten Lagen genau richtig. Dann bleibt diese Haltung, aber sie bleibt als Ihre Entscheidung und nicht als Automatik.

Was sich an dieser Stelle gerne einschleicht, ist der Einwand gegen das Hinsehen: Noch sind nicht alle Voraussetzungen erfüllt, noch läuft es nicht optimal, das schaue ich mir später an. Diesen Einwand kenne ich gut. Er ist der verlässlichste Verbündete der alten Anweisung.

Bleibt der dritte Schritt, und der ist unbequem: Ein Feuer — egal ob Strohfeuer oder Lagerfeuer — ist von außen leichter zu beobachten und zu löschen als von innen heraus. Blinde Flecken heißen blinde Flecken, weil man sie selbst nicht beleuchten kann. Sonst wären sie keine.

Wie sich dieser Zustand anfühlt, wenn man ihn jahrelang nicht anschaut, steht hier: Die teuerste Haltung in Führungsetagen. Und wie aus übernommenen Idealen mit der Zeit ein Maßstab wird, an dem man sich selbst nicht mehr vorbeikommt, hier: Die Pathologie der Ideale.

Ihr Auftrag für diese Woche

Schreiben Sie sich auf, welchen Satz Sie heuer am häufigsten gesagt haben, ohne ihn vorher zu denken. Einen. Nicht fünf.

Und dann sprechen Sie ihn einmal laut aus und achten Sie auf die daran anschließenden zwei Sekunden danach!

Wenn Sie wissen wollen, wie viel Reserve Sie diese Automatik schon gekostet hat, bevor Sie an einzelnen Haltungen arbeiten, habe ich für Sie zwölf Fragen in Ihrem persönlichen Neuro-Souveränitäts-Check vorbereitet. Sie brauchen ein paar Minuten und wissen anschließend, wo Sie stehen.

PS. Haben Sie schon herausgefunden, von wem der Satz stammt, den Sie sich gerade notiert haben?

Häufige Fragen

Bin ich dann an widrigen Umständen selbst schuld?

Nein, und das ist mir wichtig. Die Menschen, die uns prägen, haben uns ihre Weisheiten nicht aus Bosheit mitgegeben — Kurts Mutter war in bester Absicht unterwegs und am Ende stolz auf ihn. Und die Personen, die heute in Ihnen genau diese Reaktionen auslösen, sind Auslöser, nicht Verursacher. Es geht hier nicht um Schuld, es geht um Zuständigkeit und Verantwortlichkeit: Ändern kann eine Haltung nur die Person, in der sie läuft.

Kann ich diese Arbeit allein machen?

Teilweise. Die Haltung bemerken, den Satz laut aussprechen, die Körperreaktion beobachten — das geht allein, und das ist schon viel. Woher diese Haltung kommt und was sie hält, liegt in der Regel genau dort, wo Sie selbst nicht hinsehen können. Um in diesen Bereich zu sehen, braucht es jemanden von außen. Nicht, weil Sie es nicht könnten, sondern weil blinde Flecken diese Eigenschaft nun einmal haben.

Was ist, wenn mir keine solche Aussage einfällt?

Dann suchen Sie nicht nach der Aussage, sondern nach dem Reflex, mit dem Sie auf solche Lagen antworten. Achten Sie eine Woche lang auf jedes „Ich sollte" und jedes „Ich müsste" in Ihrem eigenen Kopf. Diese beiden Formulierungen sind der zuverlässigste Hinweis darauf, dass gerade nicht Sie sprechen, sondern eine Instanz, die Sie sich einmal einverleibt haben.

Quellen

[1] Stangl, W.: Introjektion. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik — lexikon.stangl.eu/4409/introjektion

[2] Custers, R. & Aarts, H. (2010): The Unconscious Will: How the Pursuit of Goals Operates Outside of Conscious Awareness. Science 329, S. 47–50 — doi.org/10.1126/science.1188595

[3] Wood, W., Quinn, J. M. & Kashy, D. A. (2002): Habits in Everyday Life: Thought, Emotion, and Action. Journal of Personality and Social Psychology 83(6), S. 1281–1297 — doi.org/10.1037/0022-3514.83.6.1281

[4] Ebner, I. (2022): EHE RETTEN ODER TRENNUNG ÜBERWINDEN? Dein Kind will kein Scheidungskind werden. DER Beziehungsratgeber für Eltern in allen Phasen der Partnerschaft. Auflage 3, Isaris, Klagenfurt am Wörthersee — amazon.de/dp/3950536906

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ÜBER DIE AUTORIN ISABEL EBNER

Autor

Insights einer Neuro-Strategin: Psychologie, Performance & Resilienz.


Schreiben ist für mich das Werkzeug, um komplexe psychologische Prozesse greifbar zu machen. Als Psychologin mit Fokus auf Gruppendynamik und Konflikttransformation
 habe ich mich Jahrzehnte lang mit den Dynamiken menschlicher Konflikte beschäftigt. Mein Weg führte mich von der psychosozialen Fachkraft in Gewaltkontexten sowie der aufsuchenden Kinder- 
& Jugendhilfe und Kinderbotschafterin 
hin zur Strategin für Neuro-Exzellenz.


In meinem Blog schlage ich die Brücke zwischen klassischer Psychologie sowie Energetik und Biologie der Hochleistung. Ich schreibe für Macher, Visionäre und High Performer – die oft auch Eltern sind –, über Themen wie:

  • Brain Fitness & Longevity: Wie wir unser Gehirn jung und leistungsfähig halten.

  • Biopsychologische Resilienz: Warum mentale Stärke eine Frage Psyche und der Biologie ist.

  • Systemische Transformation: Wie wir Führung und Lebensalltag in Einklang mit 
    unserer Neuropsychologie bringen
    .

Mein Ziel als Autorin? Ihnen die Strategien an die Hand zu geben, mit denen Sie auch in Hochkonflikt-Szenarien oder unter extremem Druck souverän, klar und gesund agieren 
können.

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