Mag.a Isabel Ebner | NEURO-EXZELLENZ STRATEGIEN - DAS ENDE DER SELBSTSABOTAGE

Der Blog zum 
Brain Mastery Neuro-Systemic Excellence Program - 
DAS ENDE IHRER SELBSTSABOTAGE !

Warum Disziplin das schwächste Werkzeug ist, das Sie besitzen

Der September ist der zweite Jänner.

Die Urlaube sind vorbei, der Kalender füllt sich, das letzte Quartal steht an — und irgendwann in den vergangenen zwei Wochen haben Sie sich etwas vorgenommen. Vielleicht war es der Sport, den Sie im Sommer wieder angefangen hatten. Vielleicht war es, um zehn das Notebook zuzuklappen. Vielleicht war es dieses eine Gespräch, das Sie gefühlt seit Ewigkeiten führen wollen und das Sie seit Ewigkeiten nicht führen. Sie haben es sich nicht nur leichtfertig vorgenommen — Sie sind ein Mensch, der Dinge durchzieht, sonst säßen Sie nicht dort, wo Sie sitzen.

Und wenn Sie ehrlich sind: Im Jänner ist es Ihnen ähnlich ergangen, und im September davor vermutlich auch.

Was Sie sich danach gesagt haben, kenne ich. Zu viel um die Ohren. Falscher Zeitpunkt. Nächsten Monat, wenn das Projekt durch ist. Und ganz hinten, leiser als der Rest, dieser eine Satz, den niemand gern ausspricht: Ich bin offenbar nicht diszipliniert genug.

Diesen Satz möchte ich Ihnen aus der Hand nehmen. Nicht, um Sie zu trösten. Sondern weil er sachlich falsch ist — und weil er Sie davon abhält, dorthin zu sehen, wo die Entscheidung tatsächlich gefallen ist.

Der Muskel, den es nicht gibt

Zwanzig Jahre lang galt in der Psychologie ein hübsches Bild: Willenskraft sei wie ein Muskel. Man habe davon einen begrenzten Vorrat, er ermüde im Lauf des Tages, und wer ihn trainiere, bekomme mehr davon. Das Bild war eingängig, es passte in jedes Führungsseminar, und es hat eine ganze Ratgeberindustrie getragen.

2016 haben dreiundzwanzig Labore diesen Effekt gemeinsam überprüft, an 2.141 Menschen, nach einem vorher festgelegten und veröffentlichten Verfahren, damit niemand hinterher an den Zahlen drehen kann. Das Ergebnis: Der Effekt war so klein, dass der Wert Null im Vertrauensbereich lag (Hagger et al., 2016). Auf Deutsch: Man konnte nicht ausschließen, dass es ihn überhaupt nicht gibt.

Der Muskel, an dem Sie gezweifelt haben, ist möglicherweise nie einer gewesen.

Daneben steht ein zweiter Befund, der mir noch wichtiger ist. Wendy Wood und ihre Kolleginnen und Kollegen haben Menschen stündlich protokollieren lassen, was sie gerade tun. In einer der Studien waren dreiundvierzig Prozent des alltäglichen Verhaltens gewohnheitsmäßig — verrichtet, ohne dass jemand darüber nachdachte; insgesamt schätzen die Autorinnen und Autoren, dass es ein Drittel bis die Hälfte ist (Wood, Quinn & Kashy, 2002).

Lesen Sie den Satz bitte noch einmal, und lesen Sie ihn als Führungskraft: Sie steuern ein Unternehmen, Sie verantworten Budgets, Sie treffen jeden Tag Entscheidungen, an denen Existenzen hängen. Und rund die Hälfte Ihres eigenen Verhaltens läuft, ohne dass Sie es je entschieden haben.

Disziplin ist eine Taschenlampe

Stellen Sie sich Ihre Disziplin als Taschenlampe vor, mit der Sie durch ein großes, altes Haus gehen. Sie funktioniert. Sie ist hell. Sie leuchtet genau dorthin, wohin Sie sie halten — in diesem Moment, an dieser Stelle, so lange Sie sie halten.

Und jetzt stellen Sie sich vor, dieses Haus kennen Sie nur zur Hälfte. Sie sind darin aufgewachsen, aber die meisten Türen haben Sie nie geöffnet.

Die Taschenlampe leuchtet den Gang aus, in dem Sie gerade stehen. In den übrigen Räumen ist es dunkel, und in diesen Räumen hört das Leben nicht auf. Dort wird geräumt, geheizt, entschieden, gestritten und gewirtschaftet — von jemandem, der sich um Ihre Vorsätze nicht schert, weil er einen älteren Auftrag hat.

Wer sich mehr Disziplin vornimmt, kauft eine stärkere Taschenlampe. Das Haus bleibt, wie es ist.

Ein Vorsatz scheitert selten an Schwäche

Hier kommt der Teil, der in den meisten Ratgebern fehlt.

Aus meiner Sicht scheitern Vorsätze fast nie daran, dass zu wenig Kraft da wäre. Sie scheitern daran, dass sie gegen einen Auftrag arbeiten, den jemand anderer im Haus schon vergeben hat — und dass niemand diesen Auftrag je gelesen hat.

Ich beschreibe Ihnen kein einzelnes Gespräch, sondern ein Muster, das mir in zwanzig Jahren in vielen Varianten begegnet ist. Ein Mann, Anfang fünfzig, führt ein gut laufendes Unternehmen. Er nimmt sich seit Jahren vor, abends abzuschalten. Er schafft es nie. Er schiebt es auf die äußeren Umstände: zu viele Aufträge, alle Kunden wollen zugleich etwas, hier eine knifflige Herausforderung, dort ein Fehler, den eine andere Firma verursacht hat. Gleichzeitig hält er sich für undiszipliniert und für unfähig, sich abzugrenzen und auf die eigenen Bedürfnisse zu achten — andere trampeln seine Grenzen immer wieder nieder. Er arbeitet wiederholt an seiner Abendroutine: Bildschirmzeit, Magnesium, Atemübungen. Nichts hält länger als ein paar Tage.

Was sich zeigt, sobald man nicht die Routine ansieht, sondern das Haus: Irgendwann war Stillstand einmal gefährlich. Wer nichts tat, war angreifbar. Wer beschäftigt war, war in Sicherheit. Solche Sätze werden nie ausgesprochen. Sie werden früh gelernt, und sie gelten weiter.

Sein Vorsatz lautete: Ich schalte abends ab.
Der Auftrag im dunklen Raum lautete: Abschalten ist lebensgefährlich.

Raten Sie, wer gewinnt. Sprich: Es war nie ein Disziplinproblem. Es war ein Loyalitätskonflikt mit einem Kind, das es damals nicht besser wissen konnte — und das in ihm immer noch die Nachtschicht übernimmt.

Schlimmer noch: Jeder gescheiterte Versuch bestätigt die falsche Diagnose. Der Mann nimmt sich mehr vor, scheitert schneller und hält sich für noch schwächer. Und sein Organismus zahlt die ganze Zeit mit — ein System, das Nacht für Nacht gegen sich selbst antritt, kommt biologisch nicht zur Ruhe, egal was der Kalender sagt. Was daraus auf Dauer wird, habe ich im Burnout-Mythos beschrieben.

Und wenn es einfach Aufschieben ist?

Dafür gibt es ein Wort: Prokrastination. Im Alltag wird sie als Zeitmanagementproblem behandelt — als hätte jemand seinen Kalender nicht im Griff.

Die Forschung sieht das seit Langem anders. Fuschia Sirois und Timothy Pychyl haben zusammengetragen, dass Aufschieben in erster Linie Emotionsregulation ist: Man schiebt nicht die Aufgabe auf, sondern das Gefühl, das die Aufgabe auslöst. Das verschafft eine kurzfristige Erleichterung — und die Rechnung übernimmt das zukünftige Ich (Sirois & Pychyl, 2013).

Damit sind wir wieder im dunklen Raum. Wer nicht weiß, welches Gefühl er da eigentlich umgeht, kann nur an der Zeitplanung schrauben. Und die hält, wie Sie inzwischen ahnen, ungefähr zwei Wochen.

Ein Versuch, der eine Minute dauert

Sie müssen mir das nicht glauben. Prüfen Sie es an sich selbst!

Nehmen Sie den Vorsatz, den Sie sich vor zwei Wochen gefasst haben — den, den Sie heuer schon einmal gefasst hatten. Sprechen Sie ihn laut aus, in einem ganzen Satz, in der Gegenwart. „Ich klappe um zehn das Notebook zu." Laut, nicht gedacht — das ist der Unterschied, auf den es ankommt.

Und dann achten Sie nicht darauf, was Sie denken, sondern was in den zwei Sekunden danach in Ihrem Körper passiert. Wird der Bauch weit oder eng? Zieht sich etwas im Brustkorb zusammen? Halten Sie den Atem an? Kommt Ärger? Kommt Müdigkeit?

Und wenn Sie gar nichts spüren? Dann ist auch das eine Auskunft. Wer sich über Jahre nicht spürt, hat das nicht zufällig verlernt — und genau darüber schreibe ich im Schweinehirt-Syndrom.

Wenn Ihr Körper ein klares Ja gibt, brauchen Sie diesen Artikel nicht. Dann setzen Sie den Vorsatz einfach um.

Wenn es eng wird, haben Sie gerade die Tür zu einem der dunklen Räume gefunden. Nicht mit dem Kopf. Mit dem Bauch.

Was stattdessen trägt

Die Frage ist also nicht, wie Sie disziplinierter werden. Die Frage ist, wogegen Ihr Vorsatz eigentlich anläuft.

Das ist unbequemer, weil es länger dauert als ein neuer Plan. Es ist aber der einzige Weg, der hält — denn ein Auftrag, der gelesen und verstanden wurde, verliert seine Macht. Er muss nicht bekämpft werden. Er hat seine Arbeit getan, er hat Sie beschützt, als Sie klein waren, und er darf in Pension gehen.

Was dann passiert, überrascht die meisten: Die Disziplin, um die so lange gerungen wurde, wird überflüssig. Wer keinen inneren Gegner mehr hat, braucht keine Kraft, um sich durchzusetzen. Es kostet dann nicht mehr, als es kosten sollte.

Und ja — die Biologie zieht mit. Ein System, das nicht mehr jede Nacht gegen sich selbst antritt, erholt sich anders. Aber das ist die Folge, nicht der Ausgangspunkt. Wer bei Schlaf, Ernährung und Supplementierung beginnt und den dunklen Raum auslässt, optimiert die Beleuchtung eines Hauses, in dem jemand anderer wohnt.

Wo Sie anfangen können

Wenn Sie wissen wollen, wie viel Ihr System im Moment tatsächlich trägt, machen Sie den Neuro-Souveränitäts-Check. Zwölf Fragen, zwei bis drei Minuten, das Ergebnis sehen Sie sofort. Er misst nicht, wie diszipliniert Sie sind. Er zeigt, wie viel Kraft gerade in etwas fließt, von dem Sie nichts wissen.

Wenn Sie danach genauer hinsehen wollen, ist das Neuro-Souveränitäts-Audit der nächste Schritt: sechzig bis neunzig Minuten, in denen wir uns ansehen, welcher Auftrag bei Ihnen im dunklen Raum liegt — und was er Sie kostet.

Welchen Vorsatz haben Sie heuer schon zum zweiten Mal gefasst? Und was, wenn nicht Sie das Problem sind?

Häufige Fragen

Ist Disziplin also nutzlos?

Nein. Disziplin trägt zuverlässig durch begrenzte Strecken — eine Deadline, eine Verhandlung, einen Monat. Sie ist nur das falsche Werkzeug für alles, was dauerhaft gegen ein unbewusstes Muster läuft. Eine Taschenlampe ist ein gutes Werkzeug. Sie ersetzt nur keine Hausbeleuchtung.

Woran erkenne ich, dass hinter einem Vorsatz ein unbewusstes Muster steckt und nicht bloß schlechte Planung?

An der Wiederholung und an der Reaktion des Körpers. Ein Planungsfehler lässt sich beim zweiten Anlauf beheben. Ein Muster bringt Sie beim dritten, vierten und fünften Anlauf an genau dieselbe Stelle — und der Gedanke daran erzeugt körperliche Enge statt Klarheit.

Kann ich das allein bearbeiten?

Zum Teil. Bemerken können Sie es allein, und der Versuch oben reicht dafür. Was Sie allein kaum können, ist den Raum finden, den Sie nicht sehen — blinde Flecken heißen so, weil sie blind sind. Dafür braucht es ein Gegenüber, das Ihnen zusieht, während Sie suchen.

Mag.ª Isabel Ebner ist Psychologin (Alpen-Adria-Universität Klagenfurt), Autorin und Strategin für Neuro-Exzellenz. Sie begleitet seit zwanzig Jahren Menschen in Hochkonflikt- und Hochdrucksituationen.

Dieser Beitrag dient der Information und der präventiven Stabilisierung im gesunden Kontext. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.


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ÜBER DIE AUTORIN ISABEL EBNER

Autor

Insights einer Neuro-Strategin: Psychologie, Performance & Resilienz.


Schreiben ist für mich das Werkzeug, um komplexe psychologische Prozesse greifbar zu machen. Als Psychologin mit Fokus auf Gruppendynamik und Konflikttransformation
 habe ich mich Jahrzehnte lang mit den Dynamiken menschlicher Konflikte beschäftigt. Mein Weg führte mich von der psychosozialen Fachkraft in Gewaltkontexten sowie der aufsuchenden Kinder- 
& Jugendhilfe und Kinderbotschafterin 
hin zur Strategin für Neuro-Exzellenz.


In meinem Blog schlage ich die Brücke zwischen klassischer Psychologie sowie Energetik und Biologie der Hochleistung. Ich schreibe für Macher, Visionäre und High Performer – die oft auch Eltern sind –, über Themen wie:

  • Brain Fitness & Longevity: Wie wir unser Gehirn jung und leistungsfähig halten.

  • Biopsychologische Resilienz: Warum mentale Stärke eine Frage Psyche und der Biologie ist.

  • Systemische Transformation: Wie wir Führung und Lebensalltag in Einklang mit 
    unserer Neuropsychologie bringen
    .

Mein Ziel als Autorin? Ihnen die Strategien an die Hand zu geben, mit denen Sie auch in Hochkonflikt-Szenarien oder unter extremem Druck souverän, klar und gesund agieren 
können.

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